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Platz 1:"Mein Pott" von Chantal Louis (EMMA)

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Als ich Kind war, gab es in unserer Bergmannssiedlung noch echte Bergleute. Zum Beispiel unseren Nachbarn Heinz. Der war "auffm Pütt" oder, für Außenstehende allgemeinverständlicher: "auffe Zeche". Heinz hatte alle paar Wochen irgendein Körperteil in Gips und konnte erklären, wo unser in
regelmäßigen Abständen ausgetrockneter Berger See geblieben war: bei ihm, unter Tage.

In seinen Flözen und Streben kam ihm und seinen Kumpeln das Wasser, das Enten und Spaziergänger an der Oberfläche so schmerzlich vermissten,
entgegen geflossen.Bergschäden. "Untere Erde sieht unser Ruhrpott aus wie’n Schweizer Käse!" lautete ein oft gehörter Spruch. Mich beeindruckte die Tatsache, dass Heinz fast immer aussah, als hätte er sich einen Kajalstrich gezogen. Meine Mutter erklärte mir, dass das der fettige Kohlenstaub war, der von den Augenlidern auch beim Duschen nicht abging.
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Platz 2: Markus Wolff - Durch den wilden Westen (GEO Spezial)

Duisburg. Noch also ist, außer einem polnischen Lastwagen zur Rechten, nichts zu verpassen. Gelegenheit zu erklären, dass man sich auf der A40 befindet, der 89 Kilometer langen Lebensader der Region. Ein nie versiegender, allerdings überaus träger Verkehrsfluss, der in Dortmund der Bundesstraße 1 entspringt und sich dann zu einem Strom mit 42 Abfahrten und mehr als 120 000 Fahrzeugen pro Tag weitet. Autos mit stumm fluchenden Pendlern, Busse mit heiteren Senioren, 30-Tonner mit Terminfracht. Kaum eine andere Autobahn Deutschlands ist stärker befahren.

Platz 3: Raoul Löbbert - Eine Frage der Kohle (Rheinischer Merkur online)

"Das Ruhrgebiet ist immer noch für die Literatur ein unentdecktes Land." (Heinrich Böll) / Foto: Rheinischer Merkur/Westend61/vario images

"Das Ruhrgebiet ist immer noch für die Literatur ein unentdecktes Land." (Heinrich Böll) / Foto: Rheinischer Merkur/Westend61/vario images

Das Revier ist zum Strukturwandel gezwungen. Beendet ist er noch lange nicht. Die Jungen ziehen weg, die Kommunen sind pleite, der Bergbau lebt nur in der Erinnerung. Eine Expedition in eine Arbeitswelt ohne Maloche - und ohne Seele. Am Anfang ist das Nichts. Dann weit unten ein graues Meer aus Häusern. Langsam kommt es näher, dann schneller, immer schneller.

Schließlich stürzt der Blick hinein in eine Stadt aus lauter Städten: der Planet Pott aus der Satellitenperspektive von Google Earth. Ohne auf der A 40 im Dauerstau von Bochum nach Duisburg zu stehen, ohne sich bei der Ankunft in Oberhausen von der Lieblosigkeit eines Fünfzigerjahre-Bahnhofs deprimieren zu lassen, ist er nun dank Google in Sekundenbruchteilen möglich, der große Zoom ins Herz des Reviers.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag (auf der Webpräsenz des Rheinischen Merkur)