Konzertante Aufführung
il ritorno d'ulisse in patria
Rekonstruktion des Dramma per musica von Monteverdi
Thema der "Tage Alter Musik in Herne" 2010 ist die Odyssee. Die einzelnen Programmpunkte des Festivals lassen sich dabei frei von Homers Epos, den Stationen und Bildern jener mythischen Heimreise des wohl berühmtesten Veteranen der abendländischen Literatur inspirieren.
Ein zentrales Werk der Operngeschichte, das sich mit dem Odysseus-Mythos befasst, ist Claudio Monteverdis 1640 in Venedig uraufgeführte Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria". Für alle Interpreten dieses Werkes stellt sich heute die Frage nach Fassung und Instrumentierung. Überliefert sind lediglich die Singstimmen und der Bass; in den Handschriften sind nur die Sinfonien und Ritornelle mehrstimmig notiert, ohne Angaben zu den Instrumenten.
Hans Werner Henze nennt seine 1985 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Bearbeitung "Freie Rekonstruktion". Damit erhebt er einen doppelten Anspruch: den seiner Treue zur Vorlage und gleichzeitig den der kreativen Freiheit des (nach)schöpfenden Komponisten. Das stellt ihn in die aufführungspraktische Tradition der Monteverdi-Zeit. Dass Henzes "Ulisse"-Lesart relativ selten aufgeführt wird, liegt vor allem an den großen interpretatorischen Herausforderungen und dem instrumentalen Aufwand, der damit verbunden ist.
"Zurück zu den Quellen und zum Original" lautet der Standard, den sich das WDR-Festival "Tage Alter Musik in Herne" von jeher gesetzt hat. Spannend ist dabei die Frage des Wie: "Zurück zu den Quellen", "zurück zum musikalischen Ursprung" kann einer Irrfahrt gleichen, kann bedeuten, Umwege zu machen, heißt in jedem Fall, die Erfahrungen, Assoziationen und Inspirationen der heutigen Interpreten mit einzubeziehen.
Musikalische Leitung: Brad Lubman
WDR Sinfonieorchester Köln
Aufführung: 14. November 2010, Kulturzentrum Herne
Eine Koproduktion der "Tage Alter Musik in Herne" (WDR 3)
und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010


